Koordinierte Besuche statt gewohnter familiärer Nähe

Die Seebachstiftung im Zeichen der Besuchsregelung

Vater und Sohn von Kloch-Kornitz auf Distanz: So sehen Besuche im Pflegeheim derzeit aus.
Foto: Bernd Lindig 

Fast genau eine Stunde sitzen sich Christoph von Kloch-Kornitz (83) und Sohn Sebastian im sonnigen Innenhof der Marie-Seebach-Stiftung an den Schmalseiten eines großen Tisches gegenüber. Vater und Sohn müssen sich ganz offensichtlich sehr konzentrieren, um ein flüssiges Gespräch zu gestalten. Die Augen suchen stets nach denen des Gegenübers – über dem Mund-Nasen-Schutz, den beide tragen. Meist redet der Sohn. Eine Mitarbeiterin des Hauses hatte Sebastian von Kloch-Kornitz zuvor ausführlich eingewiesen, die Hygieneregeln erklärt, ein Handwaschbecken gezeigt und die Händedesinfektion überwacht. Das Geschehen kann dezent aus dem Hintergrund vom Empfang aus im Auge behalten werden. Eine andere Mitarbeiterin brachte den Vater mit dem Rollator zum Innenhof. Christoph von Kloch-Kornitz ist auf die Hilfe im Heim angewiesen, deshalb ist seine Wohnung seit Mitte 2019 ein Zimmer in  der Seebachstiftung.

Bereits vor einigen Tagen hatte sein Sohn den Termin für den Besuch vereinbart. Nun ist er als die Bezugsperson registriert, die Christoph von Kloch-Kornitz auf die genannte Art und Weise treffen darf. So sieht es die Handlungsempfehlung des Thüringer Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (TMASGFF) vor. „Vater hat eine Demenz. Während der täglichen Telefongespräche oder jetzt im persönlichen Treffen kann er gut verstehen, warum seine Kinder und Enkelkinder so selten kommen und warum wir nur auf Entfernung miteinander sprechen. Beim nächsten Kontakt aber beginnen die Fragen jeweils von vorn. Er leidet sehr unter der Distanz.“ Sebastian von Kloch-Kornitz ist trotzdem dankbar für die Möglichkeit, sich zu sehen. „Mein Vater ist sehr auf körperliche Nähe angewiesen und sie gehört zu unserem normalen Umgang in der Familie. Mehr Nähe ist derzeit nicht drin. Ich habe Verständnis für die Maßnahmen, so schwierig es für uns Geschwister und die Enkelkinder ist, sich vom Vater und Großvater fern zu halten. Ein Corona-Ausbruch im Stift wäre aber das größere Übel.“

Heimleiterin Sylvi Planitzer, Pflegedienstleiterin Antje Martini und ihre Kolleginnen verwenden in diesen Tagen viel Zeit für die koordinierten Besuche. „Das Verständnis der Angehörigen und Bewohner ist sehr unterschiedlich. Fragen, Erklärungen und auch Unmut über die Vorgaben binden sehr viel Kraft für das gesamte Haus, zusätzlich zur aufwendigen Durchführung der Besuchstermine. Die Situation ist für alle Beteiligten, sei es für das Personal, für die Stiftsdamen und -herren und für die Angehörigen, nicht zufriedenstellend“, fasst Sylvi Planitzer die bisherigen Erfahrungen zusammen.  „Ich bin deshalb sehr dankbar, dass das Personal in diesen schwierigen Zeiten so hervorragend mitzieht.“

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